Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Pressespiegel · 15. Mai 2026
Pressespiegel 15.05.2026 - Erinnerungskultur, Katholikentag
Erinnerungskultur
Justizgeschichte, archäologische Funde und digitale Archive: Wie Gesellschaften ihre dunkelsten Kapitel dokumentieren und bewahren. Gleichzeitig zeigen sich im Umgang damit Spannungen zwischen Transparenz und Verantwortung.
Mit der Einweihung des neuen Münchner Strafjustizzentrums endet die Ära des alten Gebäudes an der Nymphenburger Straße, in dem fast 50 Jahre lang Aufsehen erregende Prozesse wie der NSU-Prozess oder der Moshammer-Mordfall verhandelt wurden.
Zwei bronzene Pferdeskulpturen von Josef Thorak, die Hitler für die Neue Reichskanzlei anfertigen ließ, galten 80 Jahre als verschollen, bis ein Berliner Kommissar und der Kunstdetektiv Arthur Brand sie 2015 auf dem Schwarzmarkt aufspürten.
CORRECTIV und Katapult haben ihre gemeinsam veröffentlichte NSDAP-Mitgliederkartei-Datenbank offline genommen, nachdem sich der Verdacht erhärtete, dass die genutzten Daten nicht aus einer Primärquelle, sondern aus der Datenbank der ZEIT stammen.
Auf der Kirchenmeile des Würzburger Katholikentags präsentieren sich vielfältige kirchliche und gesellschaftliche Gruppen, darunter lutherische Verbände, Reformbewegungen und Orden – Besucher können zudem Selfies mit einer Pappfigur von Papst Leo XIV. machen.
Der Schweizer Nachrichtendienst NDB gibt nach über 25 Jahren die gesperrten Akten zu NS-Kriegsverbrecher Josef Mengele frei, nachdem ein Historiker Beschwerde eingelegt und auf einen Bundesratsbeschluss von 2001 hingewiesen hatte.
Auf der Kirchenmeile des Würzburger Katholikentags präsentieren sich zahlreiche kirchliche und gesellschaftliche Organisationen, darunter eine Luther-Figur als ökumenisches Symbol und ein Papp-Aufsteller von Papst Leo XIV. für Selfies.
Zivilgesellschaft
Demokratische Partizipation und gesellschaftlicher Zusammenhalt stehen im Fokus: von der Vermittlung demokratischer Werte in Schulen über den Diskurs zwischen Bürgern und Politikern bis hin zur Analyse der Gefühle, die unsere Zeit prägen.
Die Ausstellung „Demokratie stärken" der Friedrich-Ebert-Stiftung ist zwei Wochen lang in der Grund- und Mittelschule Bad Rodach zu sehen und sensibilisiert Schülerinnen und Schüler für Demokratie, Rechtsextremismus und gesellschaftliche Verantwortung.
Bundespräsident Steinmeier nimmt am zweiten Tag des Katholikentags in Würzburg an einem Gottesdienst auf dem Residenzplatz teil und diskutiert anschließend mit Ehrenamtlichen über gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Soziologin Eva Illouz sprach beim Jahresempfang von Landesbischof Christian Kopp in der Evangelischen Akademie Tutzing über gesellschaftliche Gefühle wie Wut, Hoffnung und Enttäuschung und zeigte, wie diese politische Prozesse und das Zusammenleben prägen.
Musik – Formate & Ensembles
Musikgeschichte und aktuelle Szene: Von Jazz-Legenden und Blläserchören über feministische Hyperpop bis zu Songsammlungen und DJ-Portraits – eine Übersicht zeitgenössischer und klassischer Musikformate.
ARD Kultur präsentiert musikalische Highlights aller Genres – von Rock, Pop und Hip Hop bis Klassik und Jazz – darunter Konzerte, Musik-Dokus und Podcasts, unter anderem über Milky Chance, Rex Gildo und Sophie Hunger.
Jay Beckenstein, Saxofonist und Gründer der Jazz-Fusion-Band Spyro Gyra, feiert seinen 75. Geburtstag. Der in Brooklyn geborene Musiker verbrachte seine Schulzeit in Nürnberg und führt die Band seit über 50 Jahren an.
Die Bläsergruppe „Gloria Brass" des Bayerischen Posaunenchorverbandes gab in der Wunsiedler Stadtkirche St. Veit ein Konzert zum 100. Jubiläum des Posaunenchors Wunsiedel und erhielt dafür reichlich Applaus.
Mariybu verbindet auf ihrem Album FRECH feministische Texte mit Hyperpop-Beats und thematisiert unter anderem sexuelle Übergriffe und weibliche Selbstermächtigung – verpackt in Sounds, die auch im Mainstream-Club funktionieren.
Der Rolling Stone stellt 17 Songs aus Rock, Pop, Punk und Country zusammen, die Vater-Kind-Beziehungen thematisieren – von Harry Chapins „Cat's in the Cradle" über Bob Dylans „Forever Young" bis zu Everclears „Father of Mine".
Würzburger DJ Jörg Ringleb, bekannt als Pappenheimer, legt unter dem Pseudonym JØREN OZ auf, um sich neben Techno auch verträumteren, harmonischen Musikgenres widmen zu können.
Theater – Formen & Rollen
Künstlerische Ausdrucksformen und Rollen auf der Bühne stehen im Fokus dieser Woche: von experimentellem Tanztheater über körperliche Erschöpfung bis zu künstlerischen Positionen, die gesellschaftliche Zuschreibungen hinterfragen. Das Berliner Theatertreffen zeigt zur gleichen Zeit, welche Inszenierungen die deutsche Bühnenlandschaft derzeit prägen.
Enrique Gasa Valga zeigt mit „Dorian Gray" nach Oscar Wilde am Deutschen Theater München ein empfehlenswertes Stück Tanztheater.
Lot Vekemans' Stück „Momentum" im Gostner Hoftheater zeigt Ebba, die Frau eines machtgefährdeten Regierungschefs, der seinen politischen Rückhalt verliert, während sie ihre eigene Rolle in dieser Ehe hinterfragt.
Lamin Leroy Gibba bricht als Autor, Regisseur und Schauspieler mit eindimensionalen Zuschreibungen – von der ARD-Serie „Schwarze Früchte" bis zur Inszenierung „Die Zwillinge" am Maxim Gorki Theater – und kritisiert den Rückgang von Diversität in deutschen Kulturinstitutionen.
Kritiker Erik Zielke zieht zur Halbzeit des 63. Berliner Theatertreffens ein gemischtes Fazit: Während opulente Inszenierungen politische Themen oft zu didaktisch verhandeln, überzeugen Jaz Woodcock-Stewarts „Glasmenagerie" und Sebastian Hartmanns „Serotonin" durch ästhetische Stärke und intellektuelle Offenheit.
Schauspielerin Julia Riedler spricht im Theaterpodcast über Verausgabung auf der Bühne, den Druck auf künstlerische Arbeit und die Verbindung von Privatperson und Rolle – ab Herbst kehrt sie mit Matthias Lilienthal als Ensemble-Mitglied an die Berliner Volksbühne zurück.
Bildende Kunst – Formen & Orte
Historische Zeugnisse und zeitgenössische Positionen bilden den Kern dieser Ausstellungsauswahl, die sich mit künstlerischen und gestalterischen Fragestellungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart beschäftigt. Von der Kritik an etablierten Designsystemen bis zu kunsthistorischen Überblicken und internationalen Dialogformen zeigt sich die Vielfalt aktueller Perspektiven auf bildende Kunst und ihre räumlichen Kontexte.
Im Museum Angewandte Kunst Frankfurt hinterfragt die Ausstellung „Positionen zur Freiheit" (14. Mai bis 28. Juni 2026) das Möbelsystem USM Haller als Ausgangspunkt künstlerischer Kritik daran, wie Gestaltung gesellschaftliche Freiheitsvorstellungen prägt und begrenzt.
Augsburg leiht drei rund 1.800 Jahre alte römische Grabreliefs aus Augusta Vindelicum an das Museo delle Civiltà in Rom aus, wo sie von Oktober bis Januar in einer Ausstellung über Handel im Römischen Reich gezeigt werden.
Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg zeigt in 33 Räumen Kunst der Frühen Neuzeit von 1500 bis 1800, darunter Werke von Dürer, Cranach und Rembrandt sowie Objekte aus allen Sammlungsbereichen – gattungsübergreifend und kulturhistorisch kontextualisiert.
Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg zeigt bis März 2020 eine Ausstellung über Michael Wolgemut, der in Nürnberg eine der bedeutendsten Künstlerwerkstätten der Spätgotik betrieb und Albrecht Dürers Lehrmeister war.
Augsburg leiht drei etwa 1.800 Jahre alte römische Grabreliefs aus Augusta Vindelicum an das Museo delle Civiltà in Rom aus, wo sie von Oktober bis Januar in einer Ausstellung über Handel im Römischen Reich gezeigt werden.
Die Ausstellung in Ingelheim zeigt Werke von James McNeill Whistler im Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten von Hiroyuki Masuyama und setzt Radierungen und Fotografie bis 5. Juli in Beziehung.
Film – Formate & Formen
Von Historiendrama bis Blockbuster-Fortsetzung: Die aktuelle Filmlandschaft zwischen seriösen Stoffen und Unterhaltungskino. Dazu Einblicke in Festspiele, Streaming und kommende Kinostarts.
Sebastian Koch spricht im Interview über seine Rolle als Psychiater Julius Spier in der Arte-Serie "Etty", die Etty Hillesums Geschichte im besetzten Amsterdam in eine abstrakte Gegenwart überträgt und dabei aktuelle Parallelen zum Rechtsruck zieht.
Der Film "Palästina 36" von Annemarie Jacir schildert den Aufstand palästinensischer Bauern gegen die britische Kolonialherrschaft 1936 aus mehreren Perspektiven und zieht dabei Parallelen zur Gegenwart.
Netflix hat bestätigt, dass „Kindsköpfe 3" mit Adam Sandler in Arbeit ist. Regie führt Kyle Newacheck nach einem Drehbuch von Sandler und Tim Herlihy; Stars des Originals sollen erneut gemeinsam auftreten.
Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Vaterland" von Pawel Pawlikowski, mit Sandra Hüller und Hanns Zischler als Erika und Thomas Mann, gilt beim Filmfestival Cannes 2026 als herausragender Film über die deutsch-deutsche Nachkriegsgesellschaft von 1949.
Eine Übersichtsseite bündelt Beiträge zu Filmen, Serien und Filmstars – von Kurzfilmen über aktuelle Kinofilme bis zu Serienempfehlungen und Porträts.
IN München stellt die Kinostarts der Woche vom 14. Mai vor, darunter den Animationsfilm „Glennkill" mit Hugh Jackman, die bayerische Komödie „Ein Münchner im Himmel", das ungarische Drama „Andor Hirsch" und die Metal-Doku „Wacken – Hearts Full of Metal".
Sonstiges
Ikkimels zweites Album POPPSTAR vereint 14 Tracks mit provokantem Hyper-Rap, in dem sie Wut, queere Sexualität und weibliche Selbstermächtigung zelebriert und Kritikern wie HipHop-Machos sprachlich entgegentritt.
Das Düsseldorf-Berliner Trio Kreidler veröffentlicht mit „SCHEMES" nach 32 Jahren Bandgeschichte ein ambientes Album, das zwischen Synthesizer-Pop, Electronica und ruhigen Klangräumen eine neue, entspannte Leichtigkeit zeigt.
Rostam Batmanglij verbindet auf seinem dritten Soloalbum AMERICAN STORIES iranische Saz-Klänge mit Americana-Sounds und Pedal Steel und spiegelt damit seine iranisch-amerikanische Identität.
Tamikrest feiern ihr 20-jähriges Bandjubiläum mit dem Album „ASSIKEL", das erstmals eine Kollaboration mit Tinariwen-Gründer Ibrahim Ag Alhabib enthält und analog in Haarlem aufgenommen wurde.
Die Hochschule für Kirchenmusik der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens in Dresden sucht eine Professur für Musiktheorie, befristet bis 2029, mit Dienstbeginn September 2027; Bewerbungsschluss ist der 10. Oktober 2026.
Die Staatsoper Hannover zeigt Erich Wolfgang Korngolds „Die tote Stadt" in einer Inszenierung von Ilaria Lanzino, die den Fokus auf die psychologische Zerrissenheit des Protagonisten Paul legt, der nach dem Tod seiner Frau in Wahnvorstellungen versinkt.
Die Rolling Stones veröffentlichen ein Musikvideo zu „In the Stars", in dem Deepfake-Versionen von Jagger, Richards und Wood als junge Männer auftreten, sowie die Tracklist ihres Albums „Foreign Tongues" (10. Juli), das Gastauftritte von McCartney, Winwood und Charlie Watts enthält.
Beim ESC-Botschaftsempfang in Wien präsentierten Sarah Engels und der italienische ESC-Vertreter Sal Da Vinci Live-Auftritte vor rund 200 Gästen; Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete den ESC als „Fest der Toleranz und Vielfalt".
Die Münchener Biennale für Neues Musiktheater zeigt Uraufführungen, die Kritiker als routiniertes Neue-Musik-Theater ohne überzeugende Verbindung von Musik und Bühnengeschehen bewerten – darunter aztekisch-inspirierte Performance, afrikanischer Minimalismus und eine Wagner-Adaption mit nackten Performern.
Abraham Foxman, langjähriger Vorsitzender der Anti-Defamation League und Holocaust-Überlebender, ist im Alter von 86 Jahren in New York gestorben. Er prägte über Jahrzehnte den Kampf gegen Antisemitismus und Diskriminierung in den USA.
Die Kritiker*innenjury des Berliner Theatertreffens 2026 stellt sich am 17. Mai um 17:30 Uhr in einer öffentlichen Abschlussdebatte den Fragen des Publikums; moderiert wird die Diskussion von Matthias Dell.
Die Berufsfachschule für Musik des Bezirks Mittelfranken in Dinkelsbühl sucht ab September 2026 eine Lehrkraft für Kontrabass mit vier Unterrichtsstunden wöchentlich, befristet bis Juli 2027.
Die M94.5-Sendung Filmfabrik stellt vier Dokumentarfilme des DOK.fest München vor, darunter Werke über Jazzmusiker Sun Ra, das Abtreibungsverbot in der Dominikanischen Republik, ukrainische Jugendliche und ein verborgenes Leben.
Die Münchner Krachparade findet am 16. Mai 2026 zum 14. Mal statt und ist mit 43 angemeldeten Wägen die bisher größte Ausgabe. Die von der Initiative Mehr Lärm für München organisierte Tanzdemo fordert kulturelle Freiräume und niedrigere Mieten.
In der estnischen Grenzstadt Narva, deren Bevölkerung zu 85 Prozent russischsprachig ist, tauchen in sozialen Netzwerken Aufrufe zur Gründung einer „Narva-Volksrepublik" auf, die Estland als russische Informationsoperation einstuft.
Das CircusDanceFestival in Köln vereint vom 16. bis 31. Mai zeitgenössischen Zirkus und Tanz in experimentellen, genreübergreifenden Performances internationaler Künstler.
Das Wiener Ballettprogramm „American Signatures" zeigt bis 30. Mai Werke US-amerikanischer Choreografinnen und Choreografen, in denen klassischer und moderner Tanz verschmelzen.
Gastronomin Xenya Jäger eröffnet Ende Mai 2026 im Münchner Westend an der Ganghoferbrücke das „im Dazwischen": ein Freiluft-Café auf einer Brachfläche, das Gastronomie, Urban-Gardening, Streetart und Kulturveranstaltungen als Nachbarschaftstreffpunkt vereint.