Pressespiegel
Kuratierte Kulturberichterstattung aus Bayern und darüber hinaus.
Thema: Gesellschaft, Demokratie & Wirkung
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Beim Katholikentag in Würzburg planen 30 katholische Reformgruppen für Freitag eine Menschenkette zwischen Dom und Augustinerkirche. Sie fordern eine inklusivere Kirche mit Gleichberechtigung, Aufarbeitung von Missbrauch und Überwindung des Klerikalismus.
Die Kennedy-Familie kehrt gespalten in die US-Politik zurück: Robert F. Kennedy Jr. als Gesundheitsminister mit impfkritischen und wissenschaftlich fragwürdigen Positionen auf der einen Seite, sein Cousin Jack Schlossberg als liberaler Reformer auf der anderen. Ihr innerfamiliärer Gegensatz spiegelt die tiefe gesellschaftliche Polarisierung der USA wider. Der einstige Mythos der Kennedys als politische Dynastiemacht hat sich damit zur Projektionsfläche konkurrierender gesellschaftlicher Strömungen gewandelt.
Die Gemeinde Julbach in Niederbayern hat eine sogenannte Topothek eingerichtet – eine digitale Plattform, auf der historische Fotos, Dokumente und Objekte aus Privatbesitz öffentlich zugänglich gemacht werden. Die „Burgfreunde zu Julbach" betreiben die Plattform ehrenamtlich und rufen Bürger dazu auf, Material einzureichen und bei der Identifikation von Personen und Fundstücken zu helfen. Das Konzept stammt ursprünglich aus Österreich und verbreitet sich nun in Bayern; Julbach ist bereits die siebte niederbayerische Gemeinde, die mitmacht. Aktuell suchen die Topothekare nach der Identität einer Hilfslehrerin auf einem Klassenfoto aus dem Schuljahr 1936/37.
Der Fotograf und Filmemacher Jack Delano, bekannt für seine Porträts amerikanischer Bürger während der Weltwirtschaftskrise, ließ sich Anfang der 1940er Jahre gemeinsam mit seiner Frau und Mitarbeiterin Irene in Puerto Rico nieder, was ursprünglich nur eine Zwischenstation sein sollte. Auf der Karibikinsel widmete er sich der Dokumentation des Lebens der kolonialisierten Bevölkerung und wollte deren Würde und Stolz in seinen Bildern festhalten. In seinem Buch „Puerto Rico Mio: Four Decades of Change in Photographs" verarbeitete er die gesellschaftlichen Umbrüche, die er über Jahrzehnte auf der Insel beobachtete. Die ARTE-Sendung „Stadt Land Kunst" porträtiert Delano als Künstler, der Puerto Rico zur eigentlichen Heimat wurde.
Würzburg richtet vom 13. bis 17. Mai den 104. Deutschen Katholikentag unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!" aus. Rund 900 Veranstaltungen zu Themen wie Demokratie, Klimawandel, Missbrauchsaufarbeitung und Ökumene sind geplant. Hochrangige Gäste wie Bundespräsident Steinmeier und Bundeskanzler Merz nehmen teil; bis zu 30.000 Besucher werden erwartet. Die Stadt selbst hat sich gewandelt: Nur noch rund 35 Prozent der Würzburger gehören der katholischen Kirche an, während das Stadtbild weiterhin von einer mehr als 1.250-jährigen kirchlichen Geschichte geprägt ist.
Die schweizerisch-kamerunische Kuratorin Koyo Kouoh starb während der Vorbereitungen zur Biennale von Venedig, die sie leiten sollte; ihr Team setzte ihre Pläne posthum um.
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Lukas Rehm veröffentlichte am 2. Mai 2026 auf mehreren Social-Media-Plattformen Bilder eines Festes auf dem Gelände der Stephanuskirche in Leipzig-Mockau und bezeichnete es fälschlicherweise als islamische Veranstaltung. Tatsächlich handelte es sich laut Pfarrer Konrad Taut um ein christliches Tauffest einer eritreischen Gemeinde, die die Räume der Kirchengemeinde regelmäßig nutzt. Rehms Zusatzbehauptung, die Hüpfburg habe „zwischen christlichen Gräbern" gestanden, ist ebenfalls falsch: Die sichtbaren Grabsteine sind aus ästhetischen Gründen errichtet worden und markieren keine tatsächlichen Begräbnisstätten. Das Faktencheck-Portal CORRECTIV weist darauf hin, dass eritreische Christen bei Tauffeiern Kopftücher und weiße Gewänder tragen und deshalb wiederholt für Muslime gehalten wurden – ein ähnlicher Fall war bereits 2017 aus Leipzig bekannt geworden. Rehms Beiträge wurden mehr als 1.000 Mal geteilt; auf eine Anfrage von CORRECTIV antwortete er nicht.
Der Deutsche Kulturrat widmet seinen Newsletter der 19. Kalenderwoche dem Thema zivilgesellschaftliches Engagement als Grundlage der Demokratie. Geschäftsführer Olaf Zimmermann kritisiert dabei die politische Unterscheidung zwischen „gutem" ehrenamtlichem und „bösem" politischem Engagement als demokratiegefährdend. Die Mai-Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Politik & Kultur" greift das Schwerpunktthema „Was uns zusammenhält – Demokratie zwischen Vielfalt, Konflikt und Kompromissen" auf, ergänzt durch eine Veranstaltung zum Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt" am 21. Mai 2026 im Europäischen Haus in Berlin. Zudem warnen fast 70 Kulturinstitutionen aus Sachsen-Anhalt in einer gemeinsamen Erklärung vor der AfD-Kulturpolitik, die sie als Versuch bewerten, Kunst und Erinnerungskultur nationalistisch auszurichten. Rechtswissenschaftlerin Sophie Schönberger analysiert im „Text der Woche" die fehlende gesetzliche Absicherung der Kulturförderung und deren Anfälligkeit für politische Steuerung.
Papst Leo XIV. besucht am ersten Jahrestag seiner Wahl das Marienheiligtum in Pompeji und anschließend Neapel. In Pompeji hält er das traditionelle Bittgebet zur Madonna vom Rosenkranz und predigt bei einer Messe auf der Piazza. Im Neapler Dom trifft er Klerus und Ordensleute und besucht die Reliquien des Heiligen Januarius. Den Abschluss bildet eine Begegnung mit Bürgern auf der Piazza del Plebiscito, bevor der Papst am Abend in den Vatikan zurückkehrt.